Der letzte für Wörrstadt regierende Rheingraf Carl Ludwig Wilhelm Theodor, Wild- und Rheingraf von Salm-Grumbach,
heiratete 1768 im Alter von 39 Jahren Elisabeth Christiane Marianne, eine geborene Prinzeß von Leiningen-Hartenburg, in Dürkheim, diese war 14 1/2 Jahre alt.
Im Laufe der Ehe gebar die Rheingräfin die Töchter Auguste, Luisa und Franziska. Ein potenzieller männlicher Erbfolger blieb jedoch aus, sodass die Grumbacher Besitztümer, gem. 1783 ausgehandeltem Vertrag, an den Bruder Wilhelm fallen sollten. Die Ehegatten gerieten darüber in Streit und wollten fortan getrennt leben.
Die Rheingräfin, hatte eine Vorliebe für den Marktflecken Wörrstadt und seine Umgebung. So baute sie 34-jährig ein Schloss als fürstliche Sommerresidenz für sich und ihre 3 Töchter. Sie war alleinige Bauherrin und finanzierende des Schlosses.
Das Schlossbau begann im Jahre 1787 südlich von Wörrstadt auf einer Anhöhe mit weiter Aussicht auf Wiesbach- und Mühlbachtal bis hin nach Gau-Bickelheim in der alten Gemarkung "Auf dem Schlossberg" / "Hinter dem Turm". Die heutige Jahnstaße, seitlich der Neubornhalle, führte über Kopfsteinpflaster als Zufahrtstraße dorthin.
Die Vermessungsarbeiten erfolgten durch den Geometer Georg Daniel Fickeisen. Architekt des Schlosses war der bekannte französische Architekt Francois Ignace Mangin. Die Sandsteine und Säulen wurden von Steinhauern aus Flonheim geliefert, die meisten Handwerker wie Steinmetze, Leyendecker, Spenglermeister und Stuckateur kamen aus Mainz.
Es bestand neben dem Schloss aus Wachthaus, Taubenhaus, Kutscherhaus, Waschhaus und Pferdestall.
Das zweigeschossige Gebäude hatte gem. Inventarliste 35 Zimmer und war goldgelb angelegt. Das Außenareal war eine gepflegte Gartenanlage. Der Schlossbau war im Herbst 1788 vollendet.
Neben den Bediensteten und dem Wachpersonal beschäftigte Gräfin Marianne einen Hofverwalter, Hofarzt, Hofapotheker und einen Hofrat.
Der regierende Rheingraf hatte seine Residenz inzwischen wegen Streitigkeiten mit seinem Bruder Wilhelm von Grumbach nach Wörrstadt verlegt und nahm hier die Amtsgeschäft wahr.
Elisabeth Christiane Marianne starb mit 38 Jahren am 16.02.1792 und wurde Tage später in der evangelischen Laurentiuskirche Wörrstadt begraben.
Im Oktober 1792 eroberte die franz. Armee die "Festung" Mainz und das Schloss wurde von der franz. Regierung zum Nationaleigentum erklärt.
Der Rheingräfliche Hof inkl. Rheingraf floh überstürzt nach Braunfels in Hessen und kehrte nie mehr zurück.
Das Schloss wurde in den "herrenlosen" Nachfolgejahren nach und nach von französischen Soldaten und Wörrstädter Bürgern geplündert und im Jahre 1804 von den Franzosen gegen Abbruch versteigert.
Heute ist bis auf einige vergrabenen Grundmauerreste nichts mehr vom Schloss zu sehen.
Quellen:
Vortrag aus dem Jahre 2010 in der Neubornhalle von Karl-Heinz Andresen
Heimatkundliche Schriftenreihe - Das Wörrstadter Schloss - von Ernst Klug
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